Das Duell zwischen Kapellen und Grevenbroich-Süd geht in die Verlängerung. Erst ein Traumtor aus 30 Metern bringt die Entscheidung.

Matchwinner Efe Özen fasste die entscheidenden Sekunden der Partie in sympathischer Offenheit zusammen: „Ehrlich gesagt, ich wusste in dem Moment nicht, was ich machen sollte. Ich konnte nicht mehr. Also habe ich einfach mal draufgehalten.“ Eine ziemlich gute Idee, denn der 24-Jährige jagte den Ball aus gut und gerne 30 Metern flach ins linke Toreck und bescherte dem SC Kapellen damit in der vorletzten Minute der Verlängerung den ersten Kreispokaltriumph seit 2019. Auch für den Torschützen ein Highlight, schließlich ist damit seine schmerzliche Erinnerung an das 2022 mit 1:2 verlorene Endspiel gegen den VfL Jüchen/Garzweiler gelöscht. „Das war bitter damals.“

Und damit wusste er nur zu gut, wie sich die am Ende auf heimischer Anlage in Neuenhausen mit 0:2 unterlegenen Kollegen des 1. FC Grevenbroich-Süd fühlten. „Natürlich sind wir enttäuscht“, sagte Trainer Christian Niebel, der noch nicht im Amt war, als die Südstädter vor einem Jahr unter seinem Vorgänger Botan Melik (seit Sommer Co-Trainer beim Oberligisten KFC Uerdingen) an gleicher Stelle dem VfL Jüchen/Garzweiler beim 0:2 den Vortritt lassen mussten.

Süder spielen Stark

Dabei sah er sein Konzept, den favorisierten Landesligisten aus einer kompakten Defensive heraus in Bedrängnis zu bringen, durchaus aufgegangen. „Klar, wir hätten gerne für mehr Entlastung gesorgt“, räumte er ein, aber das sei seiner Truppe auch deshalb schwergefallen, weil Spielmacher Ensar Krasniqi gefehlt habe. So ein bisschen trauerte der Coach der Chance des per Steilpass auf die Reise geschickten Meliksah Sargin kurz vor der Halbzeitpause hinterher. Sein Heber aus vollem Lauf hätte Kapellens aus dem Kasten geeilten Keeper Jan Pillekamp vor unlösbare Probleme gestellt, doch die Kugel segelte über das Gestänge. Auch Jannes Bienerts Vorstoß nach rund einer Stunde hätte Zählbares einbringen können.

Die restliche Spielzeit war der SCK bemüht, eine Lücke im dichten Abwehrverbund der Hausherren zu finden. Dass das nur selten gelang, lag nicht nur an den Defensivkünsten des Bezirksligisten oder an der fehlenden Kreativität im Angriffsspiel des SCK, sondern für Kapellens Sportlichen Leiter Jörg Ferber auch am Naturrasen der Sportanlage Süd. „Der ist nicht im besten Zustand“, bestätigte der zum zweiten Abschnitt eingewechselte Torjäger Nils Mäker. Für ihn stand außer Frage: „Wir hatten viel mehr Ballbesitz, und wenn wir auf Kunstrasen spielen, sieht das Spiel ganz anders aus. Wenn man dann noch gegen zwei Abwehrketten anlaufen muss, braucht es am Ende halt so einen Sonntagsschuss.“

Ein echtes Event auf der Südanlage

Da gab ihm sein Trainer Lennart Ingmann recht. „Süd hat es uns schwer gemacht, hat relativ tief verteidigt mit engen Abständen“, resümierte er, gab aber zu bedenken, dass die mehr als 1000 Zuschauer auf einem guten Kunstrasen „qualitativ vielleicht ein besseres Spiel zu sehen bekommen hätten.“

Wäre die Sache schiefgegangen, hätte der fleißige, aber im Abschluss glücklose Kazuki Hayashi womöglich einige schlaflose Nächte erlebt. Denn nach einem Rückpass säbelte Süds zuverlässiger Schlussmann auf dem holprigen Rasen am Spielgerät vorbei, so dass der quirlige Japaner alleine aufs kurzzeitig verwaiste Tor zulaufen konnte. Den Ball brachte er jedoch nicht über die Linie – und bei der anschließenden Ecke fand er mit seinem Kopfball aus kurzer Entfernung in Müller seinen Meister (62.).

Einschussgelegenheiten von ähnlichem Kaliber produzierte die Dominanz des SCK nicht. Und darum ging es in die Verlängerung. Auch in dieser zusätzlichen halben Stunde hatte Schiedsrichterin Sandra Gasch (SC Grimlinghausen), die mit frühen Gelben Karten energisch den Ton gesetzt hatte, mit ihren Assistenten Kevin Robeck (DJK Novesia) und Lars Norta (TSV Norf) kaum Mühe mit dem fairen Match.

Das bestätigte Yunis Duran, Schiedsrichterobmann im Fußballkreis Grevenbroich/Neuss, in seiner Meinung, dass die 25-Jährige auch für Einsätze oberhalb der Oberliga Niederrhein geeignet sein könnte. Da gehöre, fand Kreisvorsitzender Dirk Gärtner, ebenfalls der SC Kapellen hin. Immerhin machten die Kicker aus dem Jupp-Breuer-Stadion mit dem Sieg über Grevenbroich-Süd das Triple perfekt: Kurz zuvor hatte nämlich Sven Raddatz den SCK im Kreispokalendspiel der Altersklasse Ü32 zu einem 1:0-Erfolg über den FC Straberg/Delhoven geschossen. Und im Januar gewann das neben Raddatz mit weiteren ehemaligen Oberliga- und Landesliga-Fußballern besetzte Team das Finale der Kreishallenmeisterschaft in Gustorf mit 3:1 gegen die DJK Hoisten. Daraus folgerte Gärtner: „Der SC Kapellen ist zurzeit der stärkste Verein im Kreis.“

Ebenso angetan war er vom Finaltag auf der Süd-Anlage mit 851 zahlenden Zuschauern (insgesamt 1104): „Der Amateurfußball lebt!“

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